Die Geschichte der Wikinger

 

Zwischen dänischen, schwedischen und norwegischen Wikingern bildeten sich Interessensphären heraus ­ und zwar obwohl Gruppen aus allen drei Nationen häufig gemeinsam teilnahmen, wenn berühmte Häuptlinge die Segel setzten. Die Schweden zogen meistens ostwärts und hatten die Kontrolle über die Wasserstraßen im Inneren Rußlands und damit über die Handelswege nach Osten. Große Mengen arabischer Silbermünzen in schwedischen Funden erzählen von einem lebhaften Handel. Die Dänen zogen nach Süden ­ nach Friesland, Frankreich und Südengland, während die Norweger sich nach Westen und Nordwesten begaben ­ nach Nordengland, Schottland und Irland sowie zu den Orkneys, Shetlands und Färöern.

Die Schiffe waren nicht nur für Eroberungen und Handel unerläßlich, sie waren auch Voraussetzung für eine erfolgreiche Kolonisation, wenn ganze Familien mit all ihrer Habe und ihren Haustieren an Bord Kurs auf neues Land nahmen, wo sie sich niederlassen würden. Die gefahrvollen Fahrten über den Nordatlantik zu den Orkneys, Shetlands und Färöern sowie nach Island und Grönland bezeugen, daß die Schiffbauer der Wikingerzeit nicht nur schnelle Schiffe für Überfälle im Nordseeraum bauen konnten, sondern auch äußerst seetüchtige Schiffe. Die Kolonisation begann, wenn Seefahrer neues Land entdeckten, oder wenn Männer von ihren Handels- und Beutezügen heimkehrten und die Nachricht von den weit besseren Verhältnissen verbreiteten, die im Ausland herrschten.

In einigen Gegenden scheinen die Wikinger die ursprünglichen Einwohner vertrieben zu haben. In anderen, wie etwa in Nordengland, scheint das Hauptunternehmen der Nordleute Viehzucht gewesen zu sein, und sie nutzten Land, für das die ursprünglich dort ansässigen Getreidebauern nur wenig Verwendung gehabt hatten.
Diejenigen, die nach Island und Grönland fuhren, fanden jungfräulichen Boden vor. Abgesehen von einigen wenigen irischen Mönchen auf Island  "die die Insel aber schon bald verließen, weil sie keine Heiden zu Nachbarn haben wollten"   scheinen Island und die Teile Grönlands, die von den Wikingern kolonisiert wurden, bei der Ankunft der Nordleute unbewohnt gewesen zu sein.

Zeitgenössische Aufzeichnungen über die Wikinger stammen größtenteils von Quellen in Westeuropa, die mit den Eindringlingen bittere Erfahrungen gemacht hatten. Es besteht daher kein Zweifel, daß es die schlechtesten Seiten der Wikinger sind, die uns hier präsentiert werden. Archäologische Ausgrabungen sowohl im Heimatland der Wikinger als auch an den Orten, an denen sie sich niedergelassen hatten, geben dem Bild wesentlich mehr Nuancen.
Es gibt Funde von Siedlungen, Gehöften und Marktplätzen, wo verlegte oder beschädigte Gegenstände von einem einfachen täglichen Leben erzählen. Es gibt Spuren nach der Eisengewinnung in Gebirgsgegenden, wo Erz in den Sümpfen und genügend Wald die Grundlage für eine blühende Industrie legten. Steinbrüche, aus denen Speckstein für Töpfe oder auch besonders guter Wetzstein geholt wurde, wurden ebenfalls gefunden und analysiert.
In einigen günstigen Fällen haben wir in Gegenden, wo später nichts mehr angebaut wurde, altes Ackerland gefunden. Hier können wir die zu Haufen zusammengetragenen Steine sehen, die einst sorgfältig vom Acker aufgelesen worden sind und bei vorsichtiger Ausgrabung können sogar Furchen zum Vorschein kommen, die der Pflug des Wikingerbauern gezogen hat. 

 

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