Die Geschichte der Wikinger
| Eine gewalttätige Gesellschaft | ![]() |
Ein Hinweis auf die Gewalttätigkeit der Gesellschaft ist die Tatsache, daß fast alle
Männergräber Waffen enthalten. Ein gut ausgerüsteter Krieger mußte ein Schwert haben,
einen Holzschild mit einem Eisenbuckel in der Mitte
zum Schutz der Hand, Speer, Axt und einen Bogen mit bis zu 24 Pfeilen. Helm und Brünne,
mit denen Wikinger auf modernen Bildern häufig dargestellt werden, gibt es nur äußerst
selten unter den archäologischen Funden. Helme mit Hörnern, die auf den Bildern so oft
zur "Ausrüstung eines Wikingers" gehören, sind unter den echten Gegenständen
aus der Wikingerzeit noch nie vorgekommen.
Selbst mit Waffen reichlich ausgestattete Gräber gewähren uns einen Einblick in
friedlichere Tätigkeiten: Sichel, Sense und Hacke liegen Seite an Seite mit den Waffen;
der Schmied hat seinen Hammer sowie Amboß, Zange und Feile bei sich. Dem Küstenbauern,
der häufig in seinem Boot beigesetzt wurde, hat man sein Fischfanggerät mitgegeben. In
den Frauengräbern finden wir persönlichen Schmuck, Küchengerät und Werkzeug zur
Herstellung von Textilien. Auch Frauen wurden häufig in einem Schiff bestattet.
Gegenstände aus Holz, Textil und Leder sind nur selten erhalten geblieben, so daß unsere
Kenntnisse große Lücken aufweisen.
In einigen wenigen Gräbern hat das Erdreich mehr bewahrt als sonst üblich.
Entlang dem Oslofjord liegt direkt unter der Grasnarbe Tonerde, die so dicht ist, daß
weder Luft noch Wasser durchdringen können.
Einige Gräber sind nach tausend Jahren noch gut erhalten, und hier finden wir die
ganze Palette von Gegenständen, die dem Verstorbenen einst mitgegeben wurden. Die
Schätze der enormen Wikingerschiffgräber von Oseberg, Tune und Gokstad ausgestellt im
Wikingerschiff-Museum auf Bygdøy in Oslo sind ein Paradebeispiel dafür, was unter
günstigen Umständen an Material für die Nachzeit erhalten bleiben kann. Wir wissen
nicht, wer die Toten sind, aber der Pracht nach zu urteilen müssen sie Standespersonen
gewesen sein. Vielleicht waren sie sogar Mitglieder der königlichen Familie, unter der
Norwegen später eine geeinte Nation wurde.